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Stress durch Strassenverkehr: So sorgen Sie vor

06.07.2014 |  Von  |  Gesellschaft, Gesundheit
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Eine vom Bund in Auftrag gegebene Studie hat die jährlichen Gesamtkosten des Verkehrs in der Schweiz untersucht. Augenscheinlich belief sich die Summe aller Umwelt-, Gesundheits- und Unfallfolgekosten im Jahr 2010 auf 9,4 Milliarden Franken. 7,7 Milliarden Franken hiervon entfielen auf den Strassenverkehr – ein beunruhigend hoher Prozentsatz. Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) erklärt diesbezüglich, dass sich auf den Schweizer Strassen auch das grösste Verkehrsvolumen entwickle. 57 % des Güterverkehrs und 68 % des Personenverkehrs laufen über den Asphalt – und vor allem Letzterer nimmt eher zu.

Dabei bereiten jedoch die Kosten noch die geringeren Sorgen, zumal der schwere Güterverkehr die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) bezahlt. So werden die durch ihn verursachten Kosten durchgängig von den transportierenden Unternehmen gedeckt, statt auf die Allgemeinheit abgewälzt zu werden. Viel gravierender fallen hingegen Mensch- und Naturschäden ins Gewicht. Durch Verkehr auf den Strassen sind sowohl die Umweltbelastung als auch das Unfallrisiko am höchsten im Vergleich zu allen anderen Verkehrsarten.



Natürlich wird sinnvollerweise geraten, möglichst oft auf das öffentliche Verkehrsmittel Bahn umzusteigen sowie das Fahrrad zu nutzen oder zu Fuss zu gehen. Nicht immer aber ist dies möglich; für viele Jobs ist der Arbeitsweg nur mit dem Auto realistisch zu bewältigen. Dies birgt häufig noch eine ganze andere Gefahr als nur das Unfallrisiko, nämlich ein ungeheures Stresspotenzial. Psychologen stellen häufig fest, dass Burn-out-Erkrankungen bei Pendlern wesentlich häufiger sind als bei Arbeitnehmern, die nur kurze Strecken zur Arbeit fahren oder morgens und abends das Fahrrad nehmen können.

Das Problem ist aber auch ein intrinsisches: Aus unterschiedlichen Gründen ist das Autofahren ein für das menschliche Gehirn sehr anstrengender Prozess. Die sich ergebende Anspannung wird dann häufig in Aggressionen entladen, wo eigentlich kooperatives Verhalten notwendig ist. Wenn Sie sich aber des bestehenden Risikos bewusst sind und dieses einplanen, können Sie aktiv etwas gegen den Stress auf der Strasse tun und das eigene Unfallpotenzial drastisch senken.

Da ist zum einen eine realistische Einschätzung des eigenen Müdigkeitspegels beim Einsteigen. Haben Sie nicht genug Schlaf genossen, dann potenziert dies die Ermüdungsfaktoren des Fahrens noch. Denn die dem Gehirn konstant abverlangte Informationsverarbeitung aller optischen und oft auch akustischen Reize und die oft sauerstoffarme Luft im Wagen ermüden zusätzlich. Tragen Sie deshalb vor allem morgens lieber eine Jacke mehr, so dass Sie eine Weile mit leicht offenem Fenster fahren können.

Gönnen Sie sich nach zwei Stunden durchgehender Fahrtzeit eine Pause. (Bild: Yganko / Shutterstock.com)

Gönnen Sie sich nach zwei Stunden durchgehender Fahrtzeit eine Pause. (Bild: Yganko / Shutterstock.com)




Gönnen Sie sich nach zwei Stunden durchgehender Fahrtzeit eine Pause. Die wenigsten Menschen sind zu mehr als 90 Minuten durchgehender Konzentration in der Lage; danach steigt die Fehlerhäufigkeit rasant an. Ihr Gehirn erledigt viele der Aufgaben im Verkehr automatisiert und ohne bewusste Entscheidungsprozesse, so dass man schnell mit den Gedanken nicht mehr beim Fahren ist. Gerade diese kognitive Doppelbelastung aber wird oft unterschätzt.

Ebenfalls nicht genug berücksichtigt wird der Stresspegel, der durch Monotonie ausgelöst werden kann. Dies trifft vor allem auf Menschen zu, die regelmässig dieselbe Strecke auf der Autobahn oder verkehrsruhigen Landstrassen fahren. Durch die Eintönigkeit der immer gleichen Aussicht und sich wiederholender Bewegungsabläufe geraten Sie leicht in eine Art “Dämmerzustand”, der die Reaktionszeiten herabsetzt. Hier helfen die oben empfohlenen Pausen wenig. Besser ist es, ansprechende Musik zu hören, immer mal wieder neue Strecken zu fahren oder sich Aufgaben zu stellen, die mit der Detailwahrnehmung des Umfeldes zu tun haben.



Das Stichwort lautet Abwechslung vom Gewohnten, was durch die Generierung neuer Sinnesreize erreicht wird. Versuchen Sie unbedingt, dem Zustand der Sättigung entgegenzuwirken, der ein Mitauslöser für Burn-out sein kann. Sättigung erkennen Sie an unterschwellig sich aufbauenden Gefühlen von nagender Langeweile, einer verminderten Aggressionsschwelle und einem generellen Gefühl von Frustration.



Wenn Sie schon während des Tages unzureichende Abwechslung und wenig positive Verstärkung erwarten, dann schaffen Sie sich diese selbst während der morgendlichen Fahrt – etwa durch frisches Obst in mundgerechten Portionen, einer proteinhaltigen, energiegeladenen Nussmischung, auflockernder, heiterer Musik oder indem Sie Fahrgemeinschaften mit interessanten Beifahrern gründen. Schaffen Sie Anreize, sich auf die morgendliche Fahrt vielleicht nicht direkt zu freuen, aber sie doch mit positiven Erlebnissen zu verknüpfen.

Setzen Sie sich keine unrealistischen Ziele, deren Erreichen nicht von Ihnen persönlich abhängt – etwa, in einer bestimmten Zeit die geplante Strecke zu schaffen. Dies gilt gerade bei langen Strecken und bei Ferienfahrten. Zu viele Unbekannte wie plötzlich auftretende Staus, Baustellen und das Verkehrsverhalten anderer spielen in die Gleichung mit hinein. Stresshormone werden unter anderem dann ausgeschüttet, wenn Sie hinter Ihren eigenen Erwartungen zurückbleiben oder unveränderliche Situationen beeinflussen wollen.

Stecken Sie jene also nicht zu hoch, sondern passen Sie sich lieber flexibel und gelassen dem bestehenden Flow an. Planen Sie Tätigkeiten, die Stauzeiten sinnvoll zu überbrücken helfen, wie Bücher und Hörbücher, Sudoku, schon lange mal fällige Telefonate oder E-Mails. Bei der Fahrt allerdings sollte das Telefonieren absolut tabu sein – auch nicht über eine Freisprechanlage oder damit nur in Notfällen.

Achten Sie auch auf Ihre Fahrweise. Diese allein kann schon Stress auslösen. Passen Sie sich der Leistungsfähigkeit Ihres Wagens und der eigenen Fahrkompetenz an, statt zu viel von sich zu verlangen. Bleiben Sie so weit rechts wie möglich, um Rangeleien mit schnelleren Fahrzeugen zu vermeiden. Lassen Sie sich nicht zu riskanten Manövern und Geschwindigkeitsübertretungen verleiten, um einen nervigen Verkehrsteilnehmer abzuschütteln oder auszubooten. Lassen Sie grundsätzlich externe Stressoren nicht zu nah an sich heran.



 

Oberstes Bild: © Edyta Pawlowska – Shutterstock.com


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